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Ersterwähnung

Im Jahr 1158 wurde Mammendorf erstmals in einer Urkunde erwähnt.

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Die ältesten Nachrichten bringen den Ort mit dem Pfalzgrafen Friedrich II. von Sommerschenburg in Verbindung. Das Schreiben ist eine Bestätigung von Papst Hadrian aus dem Jahr 1158, in der die Schenkung des Pfalzgrafens von 4 Hufen Ackerland in Mamendorp an das Kloster Marienthal beglaubigt wird. Der Pfalzgraf war der Gründer des Zisterzienserklosters Marienthal bei Helmstedt im Jahr 1138. Ab dieser Zeit bis zur Zeit der Reformation ist die Entwicklung Mammendorfs eng mit diesem Kloster verknüpft.

Der Name des Ortes variierte zuvor (und auch danach) als Mamendorp oder Mammendorp und 1180 als Manendorp. Seit 1450 unverändert heißt der Ort Mammendorf.

„Hufe“ ist ein altes, regionales Flächenmaß: 1 Hufe entsprach im Braunschweigischen 30 Morgen Ackerland. 1 Braunschweiger Morgen entspricht historisch etwa 2.502 Quadratmetern = 0,25 Hektar)

 

Klösterliche Gutswirtschaft

Mammendorf war vor allem ein Verwaltungs- und Wirtschaftsstützpunkt des Klosters Marienthal bei Helmstedt.

Die Mönche des Klosters Marienthal bei Helmstedt richteten in Mammendorf eine klösterliche Gutswirtschaft ein: eine „Grangie“ (lat. granum = Korn). In einer Überlieferung ist sogar von Mammendorf als einem „Kirchdorf“ die Rede. Der Grund für den Verwaltungs- und Wirtschaftsstützpunkt: Von Helmstedt bis Mammendorf musste der Weg bis Helmstedt (rund 18 Kilometer) zu Fuß oder mit den Karren bewältigt werden. Mammendorf mit seinen Feldern diente den Mönchen der Selbstversorgung, aber auch zur Erzeugung von landwirtschaftlichen Gütern für den Handel.

Es gab vor Ort auch einen Mönch für den Gottesdienst. Er fungierte zudem als Oberaufsicht über die Verwaltung des Hofes oder die Abgabenpflicht klösterlicher Lehnsträger in Form von Getreide, Hühnern, Hönig oder Wachs.

Überfall auf den Klosterhof

Eine gutgehende klösterliche Gutswirtschaft weckte Begehrlichkeiten.

Überliefert ist die Kunde von einem niederträchtigen Überfall im Jahr 1250 auf den „Klosterhof“. Leute des Otto von Hadmersleben hätten in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober 1250 die jetzt als „Klosterhof“ bezeichnete klösterliche Gutswirtschaft überfallen, sie plünderten, mordeten und brandschatzten. Der Räuber: Otto von Hadmersleben, ein im 13./14. Jahrhundert bekannter „Raubritter“ im Raum des heutigen Sachsen-Anhalt. Zeitgenossen gaben ihm ob seiner Grausamkeit den Beinamen Terrae diabolus = Teufel des Landes.* Vom Überfall ist ein Augenzeugenbericht überliefert: von Klosterbruder Reinhold, dem späteren Abt im Kloster Marienthal.

Den Nachfahren lag an Wiedergutmachung und Versöhnung mit den Mönchen, um „die Strafe für den begangenen Frevel von sich und ihren Nachkommen abzuwenden“.* Die Söhne Werner, Gardolf und Otto schenkten dem Kloster im Jahr 1287 zwei Hufen auf der Wegersleber Flur. 

Weitere Überfälle auf Mammendorf sind u. a. für 1330 durch Gunzlin von Wanzleben oder 1373 durch Gunther von Bartensleben und Otto von Seggerde belegt.*

* aus der Chronik Georg Brüggemann

Bau der Kirche St. Andreas

Ein romanischer Sakralbau

Wann genau man in Mammendorf mit dem Bau der Kirche begann und wie lange er dauerte, ist nicht bekannt. Man datiert den Baubeginn auf Anfang des 13. Jahrhunderts. Der westlich des heutigen Kirchenschiffs stehende Querturm aus Bruchstein jedenfalls ist original erhalten und berichtet in seiner wuchtig-schlichten Bauweise, wie auch das damalige Kirchenhaus ausgesehen haben könnte. Ein achteckiger Taufstein im Mittelpunkt der Kirche weist die Jahreszahl 1050 auf, seine Herkunft ist ungewiss.

Die Mammendorfer Kirche wurde während des Dreißigjährigen Krieges bis auf den Turm zerstört. 

Auf der Turmsüdseite führt bis heute ein Portal hinein. Kleine rundbogige Fenster (Schalluken) zieren das abschließende Glockengeschoss. 

Auflösung von Kloster und Klosterhof

Nach der Reformation

In den Jahren 1562 bis 1564 fand die erste lutherische General-Kirchen-Visitation zur Überprüfung der kirchlichen Verhältnisse nach der Reformation im Erzstift Magdeburg statt. So auch in Mammendorf. Die klösterlichen Güter waren in den Besitz des Dorfes übergegangen. Der Ort gehörte nun zum Amt Alvensleben und unterstand dessen Gerichtsbarkeit. 

Das Dorf selbst soll eher unscheinbar neben dem früheren Klosterbesitz gewesen sein. Knechte und Arbeiter hatten im Klosterdienst gestanden und Ackerbau und Viehzucht betrieben. Im Protokoll der Visitation ist aufgelistet, was zu Mammendorf zählte, darunter zehn Familien und ihr Besitz. Den Mönch hatte man zum Kloster Marienthal zurückgerufen, dessen Haus, das „heußlein“ – die Mönchsklause“, an einen Mann verkauft, der , so wird es berichtet, „eine Schenke daraus machte: Itschenkrug – der alte Name.“*

* aus der Chronik Georg Brüggemann

Der Dreißigjährige Krieg

Das Wüten der Truppen / Die Zerstörung der Kirche

Angriff auf Magdeburg im Jahre 1631, Kupferstich von Daniel Manasser 1632 (Quelle Wikipedia)"
Glocke im Turm der St. Andreas Kirche von 1676 (Foto: C. Ackermann)"
Glocke im Turm der St. Andreas Kirche von 1676, Detail, © C. Ackermann"
Angriff auf Magdeburg im Jahre 1631, Kupferstich von Daniel Manasser 1632 (Quelle Wikipedia)"
Angriff auf Magdeburg im Jahre 1631, Kupferstich von Daniel Manasser 1632 (Quelle Wikipedia)"

Insbesondere General Tilly, Feldherr der Katholischen Liga und später der kaiserlichen Truppen, ging wegen seines erbarmungslosen Vorgehens während des Dreißigjährigen Krieges in die Geschichte ein. Wie sehr der Konflikt auch in Mammendorf Spuren hinterließ, davon kündet bis heute die lateinische Inschrift auf der Glocke im Turm von St. Andreas, sie wurde 1676 von Jakob Wentzel in Magdeburg gegossen. Die Inschrift lautet sinngemäß übersetzt:

„Tilly ist in unsere schöne Stadt (Magdeburg) eingedrungen und hat sie zerstört. Die Felder der (Mammendorfer) Flur hat er verwüstet. Jetzt haben wir wieder Frieden. Möge also Gott vor allem den Frieden für das ganze Land bewahren."

Das unvorstellbare Wüten der Soldaten, die Misshandlungen, Exzesse und Morde, sind bis heute und weltweit als „magdeburgisieren“ bekannt.

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich und in Europa. Ihm standen sich der Kaiser und die Katholische Liga sowie die Protestantische Union gegenüber. Er begann als Religionskrieg und endete als Kampf um Territorien. 

Wiederaufbau St. Andreas

Ein neues Kirchenschiff

Für das Jahr 1660 steht der Wiederaufbau des Kirchenschiffs von Mammendorf in den Geschichtsbüchern. Nach dem kriegerischen Wüten im Dreißigjährigen Krieg war nur der romanische Kirchturm weitgehend unversehrt geblieben. Ihm wurde nun ein verputztes Kirchenschiff mit hohem Satteldach angefügt. Es entstand eine schlichte Saalkirche in barocker Gestaltung, dessen Innere eine hölzerne Tonnendecke überspannt. Auch ein neuer spätgotischer Taufstein wurde im Zusammenhang mit dem Neubau 1660 aufgestellt. Auf 1693 ist die Sakramentsnische datiert. 

Zugehörigkeit zur herzoglich-braunschweigischen Kloster-Ratsstube zu Wolfenbüttel

Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg als Oberster Gerichtsherr

Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel war ein Teilfürstentum des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg regierten über Gebiete, zu denen auch die ertragreichen Landstriche der Börde auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt zählten. Das Familienbuch berichtet: „Die Obergerichte hatte das königliche Amt Alvensleben, die Untergerichte die Gutsherrschaft. Die Dienste wurden dem Klosterhof zu Siegersleben in Geld entrichtet.“** 

Für das Jahr 1785 wurden in Mammendorf 169 Einwohner und 28 Feuerstellen gezählt.**

** aus Familienbuch Mammendorf

Zugehörigkeit zum Königreich Westphalen

Nach dem Frieden von Tilsit

Der Frieden von Tilsit war die Geburtsstunde des Königreichs Westphalen als napoleonischer Satellitenstaat. Und Mammendorf gehörte dazu. Das Königreich Westphalen (1807–1813) unterstand der Herrschaft von Jérôme Bonaparte, dem jüngsten Bruder Napoleons, Kassel war seine Residenz. Das Königreich sollte ein Modellstaat, die Verwaltung und das Sozialwesen modernisiert und eine neue Verfassung eingeführt werden. In Erinnerung ist vor allem Jérômes Verschwendungssucht geblieben. 

Für Mammendorf bedeuteten die napoleonischen Kriege vor allem Leid. Die Chronik berichtet für 1806/07: „Das Dorf war mehrfach von französischen Truppen besetzt, die Bevölkerung hatte darunter sehr zu leiden.“* Mit dem Gefecht bei Dodendorf 1809 fand der Widerstand in der Börde gegen die Fremdherrschaft seinen besonderen Ausdruck. 

Der Frieden von Tilsit (1807) war ein Vertrag zwischen Napoleon und Zar Alexander I., der Europa in französische und russische Einflusssphären teilte, Russland zwang, an der Kontinentalsperre gegen Großbritannien teilzunehmen, und Preußen halbierte, wodurch es seine Großmachtstellung verlor und unter französische Besatzung geriet.

Zugehörigkeit zu Preußen

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig: Mammendorf wird preußisch

Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde das Königreich Westphalen 1813 aufgelöst. Mit dem Wiener Kongress 1815 erfuhr Preußen als Mitglied des neu gegründeten Deutschen Bundes eine erhebliche Vergrößerung seines Territoriums. So kam auch Mammendorf zum Königreich Preußen als Teil der preußischen Provinz Sachsen. Schule und Kirche von Mammendorf aber verblieben verwaltungsmäßig in Braunschweig.

Der Blitzeinschlag in die Kirche St. Andreas

Drei Menschen fanden den Tod

Am 5. September 1824 schlug im Vormittagsgottesdienst ein Blitz in die Kirche St. Andreas ein. Ein Gewitter war aufgezogen. Nach einer zeitgenössischen Schilderung zuckten „durch die schauerliche Dunkelheit grelle Blitze“.* Die Menschen „verließen das Gotteshaus, um sich anderswo in Sicherheit zu bringen. Kaum waren sie jedoch aus dem Gotteshaus herausgetreten, als ein Blitz jäh herniederfuhr und nicht nur die Kirche in Brand setzte, sondern auch Personen tötete und verletzte“*: den 38-jährigen Ackermann Andreas Siede, er hinterließ eine Witwe und fünf Kinder, den 31-jährigen Johann Jacob Pasemann sowie den 21-jährigen Junggesellen Johann Andreas Brüggemann. 16 Personen wurden verletzt. 

Aus dem „Gedächtnislied der Witwe Susanna Maria Siede, geb. Wasserthal“*

Ach Gott wie schrecklich war der tag, 
da ich that Witwe werden. 
An dem mein Mann durch Blitz und Krach,
getötet lag zur Erden.
Und war in diesem Tempel hier,
beim Ausgang dort vor jener Thür. 

Aus dem „speziellen Bericht des Pastors Wahlert“: 

„Der Blitzstrahl hat vorzugsweise den Randgiebel des Thurmes getroffen, das Dach zertrümmert und die Steine zum Theil 50 Fuß weitfortgeschleudert …“*

* aus der Chronik Georg Brüggemann

Separation: Die Agrarreform

Vergabe von Landparzellen

Durch die Separation im Jahr 1843 wurden in den Dörfern Preußens die Flure neu geordnet und Parzellen an einzelne Bauern vergeben. Größere, besser zu bewirtschaftende Felder entstanden. Die Landwirtschaft wurde modernisiert.

In der Folge entstanden Gehöfte gebaut, die nicht nur Übergang zu individuellem Besitz markierten, sondern zugleich das Bild des Dorfes veränderten. 

Bereits 1823 war auf einer Karte des Lt. V. d. Heyde der Steinbruch von Mammendorf eingezeichnet. Mit der Separation 1843 wurde Bauer Dietrich Besitzer des Steinbruchs. Der Steinbruch war bis 1910 aktiv, danach löste die Ziegelbauweise die bisherige Art des Bauens aus Naturstein ab und der Steinbruch verlor an Bedeutung. Große Ziegeleien in der Umgebung befanden sich u. a. in Hohenwarsleben.

Das Wurzelgemüse machte die Börde zum reichen Agrarstandort

Auf den Äckern Mammendorfs wurde das Wurzelgemüse zum wichtigen Anbauprodukt

1747 hatte der Apotheker Andreas Sigismund Marggraf die Eignung der Zuckerrübe als Zuckerlieferant entdeckt. Der Chemiker Franz Carl Achard züchtete sie zu einer zuckerreichen Pflanze. Die Zuckerrübe avancierte im 19. Jahrhundert zu einer wichtigen Nutzpflanze und wandelte die Magdeburger Börde zu einem europäischen Zuckerzentrum, nicht zuletzt durch den „Zuckerboom“ nach der Kontinentalsperre im Zuge der Napoleonischen Kriege. Ab 1876 wurde Zucker an der Magdeburger Zuckerbörse notiert.

Zuckerfabriken entstanden, etwa die 1883 gegründete in Klein Wanzleben. Bauern wurden wohlhabende „Zuckerbarone“ mit prächtigen Höfen, den „Rübenpalästen“.

Auch Mammendorf profitierte von dieser Entwicklung, die sich auch in neuen Bauten widerspiegelte. Anwesen wie das ehemalige Schradersche Haus oder das Ottosche, beide in der heutigen Thomas- Müntzer-Straße gelegen, zeugen davon.

Restaurierung der Kirche St. Andreas

Nach dem Blitzeinschlag 1824

Die Chronik* vermerkt eine Restaurierung im Jahr 1909.

* Chronik Georg Brüggemann

Erster Weltkrieg

Einzug aller wehrfähigen Männer

Das Deutsche Reich mobilisierte rund 13,25 Millionen junger – und unvorbereiteter – Männer für den Krieg. Das waren rund 81 Prozent der wehrfähigen männlichen Bevölkerung zwischen 17 und 50 Jahren. Die modernen Waffen forderten auf den Schlachtfeldern Millionen Tote, von den rund 17 Millionen Opfern waren etwa 10 Millionen Soldaten. 

Der erste Gefallene Mammendorfs war Leutnant d. R. Fritz Otto, gefallen am 20.09.1914 in Frankreich. Sein Leichnam wurde nach Mammendorf überführt. Die meisten Toten hatte die Familie Brodthuhn zu beklagen: Die Söhne Wilhelm und Otto starben 1916 in Frankreich, Fritz 1918. Auch Stiefsohn Paul Friesecke fiel am 5. Juli 1916 in Polen. Eine Tafel in der St. Andreas Kirche erinnert an die 12 Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkriegs. 

Im Ort übernahmen während des Krieges die Frauen, Kinder und Alten die Tagesaufgaben, führten die körperlich schwere Arbeit in der Landwirtschaft weiter und sorgten für das Auskommen ihrer Familien in schwierigen Zeiten. 

Inflation

Nach dem Ersten Weltkrieg: massive Geldentwertung

Nach 1918 brach infolge der hohen Kriegsschulden und Reparationszahlungen eine massive Inflation aus, die ab 1922 in der Hyperinflation mündete. Die Währung wurde wertlos, Preise und Geld stiegen ins unermessliche. Kapital, jegliche Ersparnisse und damit viele Schicksale wurden vernichtet. In Mammendorf erzählt man sich, „dass die Verwalter die Löhne in Kiepen zur Auszahlung zu den Arbeitern brachten“. Astronomisch hohe Preise beherrschten den Markt, Geld verlor buchstäblich stündlich an Wert. Ein Brot kostete im November 1923 rund 200 Milliarden Mark. (Angaben: wikipedia)

Der Höhepunkt der Krise war 1923 erreicht, der mit der Einführung der Rentenmark endete.

Zweiter Weltkrieg

Krieg, Flucht, Vertreibung, Tod

Deutschlands Großmachtstreben führte die Nation in einen verheerenden Zweiten Weltkrieg. Wie schon im Ersten Weltkrieg wurden alle wehrfähigen Männer des Dorfes eingezogen. Viele von ihnen starben auf den Schlachtfeldern. Über 60 Millionen Tote waren es am Ende, als am 8. Mai 1945 die deutsche Wehrmacht in Europa kapitulierte.  

Nach Mammendorf kehrten 13 Männer nicht zu ihren Familien zurück. Die Familie Stolle hatte die meisten Toten zu beklagen. Auf einem Gedenkstein in der St- Andreas Kirche sind die Namen der Gefallenen der Familie Stolle verzeichnet: Richard, Willi, Ernst, Fritz und Hermann Stolle.

Während des Krieges und unmittelbar danach strömten Millionen Flüchtlinge und Vertriebene, etwa aus Schlesien und Ostpreußen in die Börde-Region. Vor allem die schweren Bombardements der Alliierten auf die Stadt Magdeburg veranlassten viele Städter aufs Land zu fliehen. Hier war es sicher und man hatte die Chance auf Lebensmittel. Zudem kam es nach Evakuierungen aus der Stadt zu Zwangseinquartierungen in den umliegenden Dörfern. Auch in Mammendorf. Etwa bei der Familie Brüggemann. Neben der großen Familie wurden Angestellte, Fremdarbeiter, Evakuierte und Flüchtlinge versorgt. In der Spitze waren das 32 Personen.

Bodenreform

Neubauern bewirtschaften die Felder

Die beiden größten landwirtschaftlichen Höfe (Schrader/Otto) wurden 1945/46 entschädigungslos enteignet und die Familien mussten das Dorf verlassen. Deren Acker wurde in rund sechs Hektar-Einheiten an etwa 30 sogenannte Neubauern
verteilt. Das waren sowohl Ortsansässige als auch Umsiedler. Dieser Prozess ging als „Bodenreform“ in die Geschichtsbücher ein – Leid und Freude zugleich. 

Das selbständige Wirtschaften lag nicht jedem, so dass schon in der ersten Zeit oft die Besitzer der Neubauernstellen wechselten. Zudem zog die industrielle Entwicklung im nahen Magdeburg die Leute in die Stadt.

Gründung der Schrebergartenanlage „Bördehügel"

Selbstversorgung in schlechten Zeiten

Um die Ernährung durch Selbstversorgung zu verbessern, gab es ab Ende der 1940er-Jahre kaum eine Familie, die keinen Schrebergarten in der 1947 gegründeten Anlage bewirtschaftete.

Neben den Mammendorfern hatten ab den 1970er-Jahren auch Magdeburger hier eine Parzelle. Auch ehemalige Mammendorfer nutzten ihre Gärten weiterhin für die Erholung. 

Die Schrebergartenanlage existiert nach wie vor und ist ein Teil der Dorfgeschichte und des Dorflebens.

DDR-Kreisreform / Gründung der LPG „Einheit“

Eingemeindung zu Eichenbarleben

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 und Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1949 auf dem Territorium der sowjetischen Besatzungszone im Osten Deutschlands gab es im Jahr 1952 eine Kreisreform. In diesem Zuge wurde Mammendorf zu Eichenbarleben eingemeindet. Die Gründung einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) in Mammendorf folgte unmittelbar nach der SED-Parteikonferenz im Juli 1952: die LPG „Einheit“ mit einer Nutzfläche von 40 Hektar. Ihr erster Vorsitzender war Ernst Dollek. 

Ziel der Kollektivierung in der DDR war die Überführung von Privat- in Gemeinschaftseigentum und die Umwandlung der Landwirtschaft nach sozialistischen Prinzipien für eine zentralisierter Planung und Kontrolle. Auch in Mammendorf geschah der Zusammenschluss vormals privater Bauernhöfe unter massivem Druck und Zwang. „Bis zum März 1960 waren sämtliche 13 noch selbständig wirtschaftenden Einzelbauern zur LPG übergetreten. … 1960 war Mammendorf ein ‚vollgenossenschaftliches Dorf‘. Die LPG umfasst jetzt eine Nutzfläche von 340 Hektar und hat 107 Mitglieder.“* 

1972 wurde die Mammendorfer LPG mit den umliegenden LPG’s zusammengelegt. Zur LPG „Hohe Börde“ vereinigt wurden Wellen, Ochtmersleben, Eichenbarleben, Irxleben, Hermsdorf und Mammendorf. Der Hauptsitz der sogenannten „Kooperativen Abteilungen Pflanzenproduktion (KAP)“ befand sich in Irxleben.

Mammendorf während der Zeit der DDR

Erinnerungen an den Dorfkonsum, das Kulturhaus, die Gastwirtschaft „A. Schulze/Puritz“, Ernteschlachten, Feste und die Dederon-Schürze

Dorfkonsum
Viele Erinnerungen verbinden sich in Mammendorf mit den 40 Jahren in der DDR. Etwa an den legendären Dorfkonsum, geführt in den ersten Jahren von Familie Baake, dann von Jürgen Weinkauf. Obwohl Versorgungsengpässe an der Tagesordnung waren, konnte – so erzählt es sich – Herr Weinkauf „alles besorgen“. Der Konsum war der soziale Treffpunkt des Ortes, eine „Institution“. Jürgen Weinkauf organisierte auch Feste wie etwa das „Parkfest" auf der Wiese im Park. Den Konsum übernahm Jürgen Weinkauf nach der Wende, zog mit diesem Geschäft etwa im Jahr 1996 von der heutigen Dorfstraße in die alte Schule in der Kirchstraße), bis der Laden ca. 2012 schloss.

Kulturhaus
Im früheren Otto‘nschen Hof, als „Jagdschloss“ in Mammendorf bekannt, befand sich ab 1950 bis 1990 das Kulturhaus. Der Hof der Familie Otto war (wie der Hof der Familie Schrader) 1945 enteignet worden. Das markante große Gebäude beherbergte nach dem Krieg zunächst die Dorfkommandantur, war später Hauptsitz der LPG, aber auch Lehrlingswohnheim der LPG-Gärtnerei sowie Küche für Schule und Kindergarten. 

Gastwirtschaft A. Schulze / Puritz
Aus dem Dorfleben nicht wegzudenken: die Gastwirtschaft A. Schulze, seit 1908 von Familie Puritz geführt. Für die Bauern des Ortes, ab auch Durchfahrende, beispielsweise die Lkw-Fahrer im Zuckertransport, fanden hier stets warme Mahlzeit. 1985 schloss der Gasthof.

Ernteschlacht
Unter dem Begriff Ernteschlacht berichtete die DDR-Presse alljährlich über die kollektiven Anstrengungen der Kooperativen und Agrargenossenschaften zur rechtzeitigen Getreide-, Kartoffel-, Rübenernte. Ziel war, die staatlichen Lieferpflichten zu sichern, eng verbunden mit der Schaffung von Gemeinschaftssinn. In Mammendorf gab es einen Technikhof. Mähdrescher und andere Großgeräte bediente die Brigade Mammendorf innerhalb der LPG „Hohe Börde“ auf ihren Äckern.

Dederon-Schürze
Nicht wegzudenken aus dem DDR-Alltag in der Stadt und auf dem Land: die Dederon-Schürze, ein unverzichtbares, bunt mit Blumenmustern bedrucktes Kleidungsstück der Frauen, gewebt aus strapazierfähigen der DDR-Kunstfaser „Dederon. Noch bis in die 2000er-Jahre traf sich eine Gruppe von Mammendorfer Frauen zum gemeinsamen Feierabendspaziergang durchs Dorf: aus alter Gewohnheit in Dederon-Schürze – und manchmal auch mit Lockenwicklern.

Die politische Wende / Deutsche Wiedervereinigung

Privatisierung und Strukturwandel

1989 erstritten die DDR-Bürger mit ihrer friedlichen Revolution die politische Wende. Gründe für die Unruhen waren insbesondere die verfehlte Planwirtschaft, die Misswirtschaft und der damit einhergehende Mangel, der u. a. eine unzureichende Baureparatur verursachte. Die Städte und Dörfer verfielen, auch die großen Gehöfte im ländlichen Raum.

Nach der politischen Wende 1989/90 wagten Landwirte auch in Mammendorf einen Neuanfang. Die LPG löste sich auf und nichtenteignete Alteigentümer konnten wieder frei über ihr Land verfügen. Wer Acker aus der Bodenreform erhalten hatte, konnte dieses behalten – vorausgesetzt er war zum Stichtag 31. März 1990 noch Mitglied der LPG. Ansonsten gingen diese Flächen in treuhänderische Verwaltung bzw. in Landeseigentum über. Mit dieser Regelung aus dem Einigungsvertrag „wurde erneut Besitz genommen. Aber grundsätzlich war es schön, eigenes Land wieder selbst bewirtschaften zu können". (Kay Brüggemann)

Am 3.Oktober 1990 feierte Deutschland seine Wiedervereinigung, am selben Tag Sachsen-Anhalt seine Wiedergründung.

Die Privatisierung im Zuge des gesellschaftlichen und politischen Wandels hatte aber auch ihre Schattenseiten. Im Zuge der Liquidation der LPG schloss auch die Gärtnerei, die für viele und über viele Jahre ein sicherer Arbeitsplatz gewesen war. Arbeitslosigkeit gehörte jetzt auch zum Alltag in Mammendorf, da zudem die großen Industriekombinate in Magdeburg abgewickelt worden.

Im Laufe der Jahre schlossen auch die Gaststätten „Zur Tränke", „Kulturhaus" und auch die nachwendig eröffnete Kneipe „Gries"(bis ca.1993). Eine inoffizielle Kneipe gab es aber dennoch viele Jahre im Dorf, der sogenannte „Totenkopp", ein Treffpunkt außerhalb, aber direkt neben dem Friedhof.

Die Ansiedlung der CSI

Andesit-Tagebau der Cronenberger Steinindustrie Franz Triches GmbH & Co. KG (CSI)

Das Traditionsunternehmen CSI eröffnete 1998 den Hartgesteinstagebau in Mammendorf. Der Steinbruch liegt in der Vulkanitserie des Flechtinger Höhenzuges und stellt damit eines der nördlichsten erschlossenen Hartgesteinsvorkommen in Deutschland dar. Das Unternehmen bedient mit seinen Produkten den gesamten norddeutschen Markt von Rügen bis Emden: Gleisschotter für die Deutsche Bahn von der Harzer Schmalspurbahn bis zum Rasenden Roland auf Rügen. Der Mammendorfer Andesit ist für allerhöchste Ansprüche der Bauindustrie geeignet: für die Autobahn bis zum Rollfeld auf dem Flughafen.

Der Ansiedlung der CSI waren jahrelange Proteste von Mammendorfer Bürgern und Bauern gegen das Vorhaben vorausgegangen. Sie wollten ihre Äcker nicht für den Abbau des hiesigen Andesits aufgeben. Die BILD- Zeitung titelte im September 1997 „Bauer gegen Bagger". Auf dem Foto ist der damals 25-jährige Kay Brüggemann zu sehen. Heute sagt er: "Unterm Strich hat die Ansiedlung dem Dorf gutgetan.".…

Ort und Unternehmen leben und gestalten heute nachbarschaftliche und partnerschaftliche Beziehungen. Die CSI engagiert sich mit viel sozialem Engagement für die kulturelle Entwicklung des Dorfes, zum Beispiel mit finanzieller Unterstützung für den Bau und die Ausgestaltung des „Steinhauses“ (siehe 2014) oder der Gestaltung des Dorfplatzes (siehe 2020).

Eröffnung des „Steinhauses“

Mehr als einDorfgemeinschaftshaus

Seit Jahren bot die Cronenberger Steinindustrie (CSI) Besichtigungen und Führungen zum Mammendorfer Steinbruch, dem Andesit und den Funden im Tagebau wie Fossilien und Mineralien an. Es gab aber kein ständig zugängliches öffentliches Informationsangebot über Steine, Mineralien und Zeugen der Erd- und Menschheitsgeschichte, mit denen Mammendorfs Geschichte so eng verbunden ist. 

Im Zusammenhang mit der langgehegten Idee von einem Dorfgemeinschaftshaus stellte die Gemeinde einen Antrag auf LEADER-Förderung für ein „Steinhaus“, der bewilligt wurde. Im Dezember 2013 konnte das Haus feierlich eingeweiht werden. 

Die „gute Stube“ Mammendorfs zeigt seither Jung und Alt seine stattliche Sammlung der steinernen Funde der Region: Gesteine, Mineralien, Fossilien, Hinweise auf früher hier lebende Saurier, dazu archäologische Funde aus der Bronzezeit und der frühen Besiedlung durch Menschen – spannende Einblicke in die Erd- und Menschheitsgeschichte. Das Haus steht zudem für Zusammenkünfte und Feiern jeder Art den Dorfbewohnern offen. 

Umgestaltung des Mammendorfer Dorfplatzes

Neue Informationstafel

Einst war der alte Dreschplatz ein zentraler Treffpunkt für die Mammendorfer. Am Ende war der Platz nur noch eine Wiese. Mit dem Jahr 2020 konnte mit Unterstützung der CSI die Umgestaltung des Dorfplatzes abgeschlossen werden. Bäume waren gepflanzt, 600 Rosen und 15.000 Frühblüher eingebracht, Saat für eine bienenfreundliche Blühwiese ausgesät sowie Sitzmöglichkeiten aus heimischen Natursteinen aufgestellt worden, dazu gesellen sich Funde aus dem Andesit-Tagebau. Spannende Auskünfte gibt die aufgestellte Informationstafel. Sie zeigt zum einen den Plan zur Umgestaltung des Dorfplatzes. Zum anderen blickt man mit alten Fotos in vergangene Zeit und lernt ein Stück Mammendorfer Geschichte näher kennen. 

Andacht und historisches Gedenken

Vor 200 Jahren: Blitzeinschlag in St. Andreas

Am 24. September 2024 gedachte die Kirchgemeinde der drei Toten des Blitzeinschlags in der Mammendorfer Kirche vor 200 Jahren. Gemeinsam wurden Lieder gesungen, darunter das „Gedächtnislied der Witwe des Ackermanns Siede“ nach einer bekannten Melodie – ein feierlich schöner Augenblick.

„Ach Gott wie schrecklich war der Tag,
da ich that Witwe werden. 
An dem mein Mann durch Blitz und Krach,
getötet lag zu Erden. 
Und war in diesem Tempel hier,
beim Ausgang dort vor jener Thür.“

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